Explodierende Düngerpreise? Lassen echte Kleingärtner kalt

Das Seminar  kam genau im richtigen Moment: Während alle Medien melden, dass die Düngerpreise wegen des Irankriegs klettern und klettern, erfuhren die Teilnehmer des Kurses am vergangenen Samstag im Vereinshaus am Telgengrund, wie man mit wenig Geld und ohne Dünger aus Erdöl einen prächtigen Garten bekommen kann. „Richtig kompostieren“, hieß das Seminar – eine deutliche Untertreibung. Denn die Teilnehmer lernten darüber hinaus, wie man mit einer Wurmkiste wunderbaren Boden erzeugt, mit Bokashi hochwirksamen Flüssigdünger macht, mit Pflanzenjauchen und Verrottungstees düngt, mit Terra preta den Boden auf Jahrhunderte verbessert und mit Effektiven Mikroorganismen den Garten gesund erhält – und das auf äußerst unterhaltsame Art. Denn Referent Jochen Wandhöfer illustrierte seinen Vortrag mit vielen Anekdoten und Bildern aus seinem eigenen Gartenalltag. Eine der witzigsten: Er stellte ein Schneckenabwehrpulver vor – selbst gewonnen aus getrockneten und verbrannten Schneckenleichen. „Muss nach jedem Regen erneuert werden“, sagte er. „Aber es nützt.“

Doch zurück zum Kompost. Natürlich schmeißt der Experte nicht einfach Gartenabfälle auf einen Haufen. Zuerst sammeln, dann kluges Mischen – das richtige Verhältnis von kohlenstoffhaltigen braunen und stickstoffhaltigen grünen Abfällen ist entscheidend – , dazu ein Starter, beispielsweise ein Würfel Hefe, der mit einem Pfund Zucker in 30 Liter Wasser aufgelöst wird, – und los geht die Heißrotte, die etwa drei Tage dauert. „Wenn der Komposthaufen  über 65 Grad hat, darf alles drauf, auch Samen“, sagte der Fachmann und empfahl ein Thermometer mit langem Messfühler, um die Temperatur zu überprüfen. Mehr als 75 Grad sollte der Kompost aber nicht haben, sonst bauen sich wertvolle Stoffe schon wieder ab. „Außer bei Braun- und Krautfäule“, so Wandhöfer.  Nach wenigen Wochen sollten Würmer und Mikroorganismen ihre Arbeit getan haben, der Kompost  verrottet sein. Er kann als Frischkompost zum Düngen verwendet werden. 24 Monate gelagerter reifer Kompost ist dagegen ideal für die Anzucht. Der Bodenexperte: „Der hat zwar kaum noch Nährstoffe, ist aber unheimlich gut für die Bodenbiologie.“

Die rege Diskussion während und nach der Veranstaltung zeigte, wie sehr das Thema die rund 25 Teilnehmer elektrisierte. Dabei wurde den Zuhörern einiges abverlangt bei Ausflügen in die Pflanzenbiologie und die Bodenchemie. Eindringlich schilderte Wandhöfer, wie Flächenverbrauch und industrielle Landwirtschaft den Böden zusetzen – und appellierte an die Kleingärtner, ihren Beitrag dazu zu leisten, die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten. Der Experte: „Es dauert hunderte von Jahren, bis einmal vernichteter Boden wieder aufgebaut ist.“

 

Explodierende Düngerpreise? Lassen echte Kleingärtner kalt